Einleitung "Timba"- Diplomarbeit

Ich habe den Musikstil timba aus mehreren Gründen zum zentralen Thema meiner Diplomarbeit gewählt. Zu aller erst möchte ich behaupten, dass die Bezeichnung timba international betrachtet für viele Menschen ein Fragezeichen aufwirft. Selbst MusikerInnen scheinen mit dem Begriff nicht automatisch etwas zu verbinden. Da sich diese Begriffsbezeichnung für den Musikstil erst in den 90ern auf Kuba etablierte, hatte sie nicht die Möglichkeit sich außerhalb der eigenen Szene zu verbreiten und vermarkten, im Gegensatz zur häufig gleichgesetzten Bezeichnung „Salsa“. Leider beruht diese Gleichsetzung musikalisch und geschichtlich betrachtet auf einer sehr oberflächlichen Wahrnehmung und sollte daher aufgeklärt werden. „Salsa“ wurde schnell zum „Musiktopf“ für westliche Kulturen, um allmögliche Einflüsse lateinamerikanischer Musik zu kennzeichnen. Im Gebrauch des Begriffs gibt es heutzutage wohl kaum einen Menschen, der/die ihn noch nie gehört hat. Dennoch ist die „Salsa“ eine Verkaufsmarke der Amerikaner gewesen und dadurch ein verallgemeinerter Begriff für die Musik der lateinamerikanischen Länder weltweit geworden. Leider geht dabei jedoch eine Differenzierung der Stile unter. So kam es unter anderem bei dominierenden Stilen wie dem kubanischen, zu einer abgrenzenden Bezeichnung: timba. Oftmals sind es Berührungspunkte mit der kubanischen Kultur, die das Wesen des timba erstmals erklären können, denn er lässt sich nur aus deren Geschichte heraus genauer begreifen und bestimmen, wodurch er sein eigenes Bild vertritt und eine bestimmte Atmosphäre im Bereich der „Salsa“ schafft. Zudem behaupte ich, dass viele Menschen, die selbst in der timba Szene verkehren, vor allem außerhalb Kubas, zwar das Image des timba vermittelt bekommen aber die geschichtlichen Zusammenhänge nicht kennen oder den musikalischen Anspruch dahinter zu wenig verstehen. So ging es zumindest mir bevor ich damit begann, mich tiefer in die Materie einzuarbeiten. So versuche ich mit dieser Arbeit das Interesse am Konzept des timba zu wecken und Interessierte über dieses Thema weiter aufzuklären. Hinter dem besonderen musikalischen Phänomen des timba steckt eine Verschmelzung verschiedenster Musikkulturen Afrikas und westlicher Nationen, insbesondere Spanien, die dazu geführt hat eine reichhaltige und vielseitige Musik zu schaffen. Aus heutiger Sicht betrachtet, gibt es wohl wenig populare Live-Musik, die noch so groß besetzt wird wie im timba. An die siebzehn MusikerInnen betreten bei den größeren Bands die Bühne. Auch wenn die Musik mit neuen Sounds und Instrumenten angereichert wird, arbeitet der Stil wenig mit virtuellen Instrumenten. Die elektronische Musik findet verglichen mit anderen Popularmusikstilen relativ wenig Anerkennung, beziehungsweise wurde sie im Timba wohl hauptsächlich ein Trend durch Synth. Sounds der 80er und 90er Jahre und wird heute durch den Reggaeton beeinflusst. Die ersten beiden, großen Kapitel in meiner Diplomarbeit geben einen Überblick zum Timba mit all seinen Facetten wieder. Während der erste Teil grundlegende, wissenschaftliche Informationen zu diesem Gebiet, wie ein allgemeines Verständnis, die geschichtlichen Zusammenhänge und eine Gegenüberstellung zum oft verglichenen „Salsa“ liefert, werde ich im zweiten Teil die musikalischen Eigenschaften genauer behandeln und analysieren. Anschließend werde ich das musikalische Konzept mit einer Aufzählung bedeutender Timba Bands, die den Stil zu dem gemacht haben, was er heute ist, beenden. Mit dieser Vorkenntnis, wende ich mich den diversen Strömungen zu, die den Timba besonders geprägt haben und lege in ausgewählten Songbeispielen ihre offensichtliche Wirkung dar. Beginnend mit dem son als Fundament, werde ich in weiterer Folge die betreffenden Musik- und Tanzeinflüsse auf den Timba kapitelweise einführen, und analytisch darstellen wie diese eingebettet werden. Da wären: die der rumba, die der Religion santería und die des reggaetón. Eine sehr bestimmende Eigenschaft des Timba, die als eine gewisse Weiterentwicklung der „Salsa“ betrachtet werden kann, ist die rhythmische Komplexität, die ich in einem weiteren Kapitel anhand der Break-Strukturen eines gesamten Stücks ausführen werde. Ein passendes Schlusswort zum Thema Timba werde ich in meinen Eindrücken, die ich selbst auf Kuba erlebt habe, im Kapitel „Timba Heute – Steht die Ära des Timba am Endpunkt“ formulieren. Eine entscheidende Frage, die ich mir in diesem Abschnitt gestellt habe ist, ob der Timba, der in den 90ern auf Kuba schon seine Blütezeit erlebte, von neuen Musiktrends verdrängt wird oder ob dieser durch das Interesse westlicher Kulturen vielleicht doch stand hält?

1.1 Was ist Timba?

 

Timba ist die Bezeichnung für einen kubanischen, populären Musikstil, der mit dem weltweit bekannten Genrebegriff der kubanischen „Salsa“ sehr eng verbunden wird. Der Timba ist quasi eine Neuschöpfung und Weiterentwicklung der kubanischen „Salsa“, der sich zu Beginn der '90er Jahre anbahnte. Durch die vom Label „Fania“ verbreitete Kunst lateinamerikanischer Rhythmen und der verbreiteten Begriffsbezeichnung „Salsa“ in den '70er Jahren, entstand circa 20 Jahre später ein Boom an neugegründeten „Salsa“- Bands, wobei Formationen kubanischer Herkunft ihre Musik nun timba nannten. Historisch betrachtet gibt es mehrere Ursachen für die Entstehung der Timba Bewegung. Einerseits wurde die Verkaufsmarke „Salsa“ nur ungern geduldet, da die Wurzeln dieser Musik vom stark geprägten son cubano herrühren, dessen Ursprünge Mitte des 19. Jahrhunderts einzuordnen und die meisten populären Formen kubanischer Musik daraus entstanden sind, wie etwa der cha-cha-cha, die afrokubanische rumba und der mambo. In späterer Folge ebenso die „Salsa“ und der Timba. Der Son Cubano wird zwar unter KubanerInnen als der Ur-Klang verstanden und als die Mutter der Rhythmen angesehen, dennoch werden aus heutiger Sicht die unfreien historischen Wurzeln eher als eine Überrumpelung und eines Missbrauchs der kubanischen Musiktradition empfunden. Mit dem Begriff timba definieren einheimische Bands daher ihre zurückgewonnene musikalische Identität. Andererseits hat sich der Timba musikalisch von der „Salsa“ dahingehend verändert, indem vor allem folkloristische und andere populäre Stilelemente in die Musik mit einbezogen wurden. Ebenso hatten die afrokubanische rumba, vor allem der guaguancó, und die mit batá-Trommeln gespielte religiöse Musik der santería prägenden Einfluss auf den Timba, wodurch der Musikstil seine Berechtigung aufs Neue unterstreicht. Während in späterer Folge Musikeinflüsse anderer, auch westlicher Kulturen dazu kamen, wurde die Musik unter anderem mit Synth.-Sounds und dem in vielen Musikrichtungen verwendeten Drumset ausgestattet. Die als Pioniere bezeichneten Bands des Timba sind Los Van Van, Irakere und NG La Banda, wobei diese in ihrer Blütezeit der 70er und 80er Jahre rückwirkend betrachtet eher als Vorläufer des Timba gesehen werden. In Anbetracht dessen, dass die Charakteristiken des Timba sich erst im Laufe der 90er Jahre herausgebildet haben, gelten Adalberto Alvarez mit „Son 14“ und Elio Revé mit „Orquesta Manzanillo“ als bedeutende Vorbilder. 
Bis heute lässt sich ein relativ fließender Übergang von der „Salsa“ zum Timba beobachten. Der Timba zeichnet sich vor allem durch das Integrieren aktueller Musikströmungen, sowie erweiterte instrumentale Besetzungen aus, die rhythmische Komplexität und Energie verstärkt zum Ausdruck bringen. Der Tanz im Timba hat sich ebenfalls aufgrund seiner gesteigerten Emotionalität und Komplexität neuen Maßstäben verschrieben. Neue Bewegungsformen neben dem bekannten casino (kubanischer Tanzstil des Salsa) wurden hineingemischt, die nun die Regeln des Tanzens stark lockern und ein befreites Tanzen fördern.

 

Weitere Informationen zum Timba finden Sie im PDF:

Diplomarbeit "Timba - eine Form der kubanischen Popularmusik", Christian Thomas Lee Kettner

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